Thanksgiving

Thanksgiving

Uuups, an diesem Donnerstag (22.11.2018) ist  schon Thanksgiving. Immer wenn Thanksgiving so früh ist,  komme ich in Terminschwierigkeiten. Der amerikanische Feiertag wird am vierten Donnerstag im November gefeiert. Da dieses Jahr der 1. November ein Donnerstag war, fällt Thanksgiving 2018 auf den 22. November.

Thanksgiving ist in den USA eigentich DER Feiertag. Manchmal glaube ich, dieser Tag ist als Famillienfest noch wichtiger als Weihnachten, das am 25. Dezember gefeiert wird. Schon Wochen vorher wird in den Büros und in der Familie diskutiert, wo und bei wem man Thanksgiving verbringt. Ähnlich der Diskussion hier um das Weihnachtsfest, wie man alle unter einen Hut bringt, ohne einen Teil der Familie vor den Kopf zu stoßen.

Früher in Florida ist es uns tatsächlich ein paar Mal passiert, dass wir an Thanksgiving vor verschlossenen Lokalen standen oder einmal, als auf die Schnapsidee kamen in die Everglades zu fahren, (fast) keine geöffnete Tankstelle mehr fanden. Es hat sich in den Städten inzwischen geändert, aber im Mittleren Westen habe ich noch meine Zweifel. Wir waren einmal zu Thanksgiving in New Orleans und dort war natürlich jedes Lokal gut besucht. Thanksgiving ist auch die Zeit der größten Staus und eines unheimlichen Reiseaufkommens.

Auf alle Fälle ist Thanksgiving des Fest des Schlemmens. Truthahn ist angesagt und ich erinnere mich noch gut, als wir vor vielen Jahren einen Truthahn bei Publix vorbestellten. Geduldig standen wir in der langen Schlange und endlich kamen wir an die Reihe. Welchen Truthahn wir denn wollten? Der 14-Pfünder sei ausverkauft, aber wir könnten noch einen 20-Pfünder haben? Wieviele Gäste wir denn erwarten würden – falls es mehr als zwanzig seien, wäre der 20-Pfünder gerade recht.

In Anbetracht der Tatsache, dass der größte jemals gewogende Truthahn 86 Pfund (rund 40 Kilo) auf die Waage brachte, stellten wir unsere Überlegung, zu zweit an Thanksgiving einenTruthahn zu braten in Frage. Der durchschnittliche Truthahn wiegt zwischen 14 bis 16 Pfund, das sind so um die 7 Kilogramm.

Uups.. Wir starrten die Verkäuferin an und begannen zu stammeln. Schließlich bestellten wir den „the smallest – if available“ – was sie zum Grinsen brachte. Endlich hatte sie Kunden gefunden, die den in ihren Augen mickrigen 12-Pfünder wollten. Ich will es nicht sagen, aber die Woche nach Thanksgiving hatten wir morgen, mittags und abends Truthahn auf dem Speiseplan stehen. Truthahn-Sandwiches, Salat mit Truthahn und schließlich ein „Truthahn-Gröstel“, was mich sehr an das bayerische Gröstel erinnerte.

Es ging uns wie den 88 Prozent aller Amerikaner, die an Thanksgiving einen der 46 Millionen Truthähne verspeisen. Auch der kleinste Truthahn war viel zu viel. Die meisten der Truthähne kommen aus Minnesota, dem Bundesstaat oben im Norden an der Grenze zu Kanada.

Auch das Weiße Haus bekommt alljährlich einen Truthahn geliefert, seit 1989 werden die Truthähne begnadigt und dürfen auf einem Bauernhof ihren Lebensabend verbringen. 2009 sorgte der damalige Präsident Barack Obama (44. Präsident der USA 2009-2017) für einige Aufregung, denn Truthahn Courage wäre fast im Topf gelandet, hätten nicht die Töchter Malia und Sasha Einspruch erhoben. Auch Amtsnachfolger Donald Trump schloss sich 2017 dieser Tradition an.

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Nach der Schlacht um das Tier am großen Esstisch versammelt sich die Familie meist vor dem Fernseher, um gemeinsam Football zu sehen. Es gibt Zahlen, dass jeder Amerikaner an Thanksgiving kräftig zunimmt.

Thanksgiving
Schon Wochen vor dem Fest beginnt die Diskussion wo man feiert.

GESICHTER EINER STADT: Roosevelt Road in CHICAGO

Es ist ein müder Freitag Abend. Lustlos füllt Josh Sandwiches und Crudités nach. Freitagabend ist nichts los in der Business Lounge des Flughafenhotels. Die Geschäftsreisenden sind schon wieder auf dem Rückflug und die neuen Businesstraveller kommen erst wieder Sonntagabend an. Nur ein paar Gäste aus Übersee sitzen in der Lounge. Ein schweigsames Ehepaar aus Schweden, das schnell wieder geht, der junge Rashid aus Mumbai, der sich über ein Gespräch freut und wir beide aus München. Die Weiterfahrt an unser Ziel hätte bis fast bis Mitternacht gedauert – zu lange nach einem zehnstündigen Langstreckenflug.

Roosevelt-Chicago
Das Ziel unserer Fahrt auf der Roosevelt Road: Der Lake Shore Drive mit seinen Hochhäusern in Downtown Chicago

Schließlich kommt Josh an unseren Tisch und schenkt uns großzügig kühlen Wein nach. Wir kommen ins Gespräch, wir sind gerade gelandet und kommen aus München, der Beer-City. Ja, Beer-City, das verstehen alle Amerikaner und schnell ist das Eis gebrochen. Josh blüht auf und erzählt von seinem Leben, seiner mexikanischen Verlobten und dass er ein Haus sucht. Welche Gegend denn in Chicago empfehlenswert sei und wo man besser nicht hinziehe oder auch als Tourist hingehe, frage ich ihn. „Alles was westlicher als der Airport ist und alles was südlich ist, ist keine Gegend, wo man unbedingt hin will.“ ist seine überzeugte und knappe Antwort.

Roosevelt Road in Chicago
Führt schnurgerade von Lake Shore Drive nach Westen: Roosevelt Road

Das deckt sich nicht ganz mit der Aussage der Verkehrsbüros, das auf unsere Anfrage ausdrücklich erklärte, es gäbe keine No-Go-Areas in Chicago. Wir sind beruhigt, denn anfangs hatten wir mit dem Gedanken gespielt im Süden der Stadt eine Übernachtung zu buchen, die deutlich billiger war. Da wir aber anschließend in den Norden müssen, war das Flughafenhotel die verkehrsgünstigere Alternative. Wir trinken unseren Wein aus, wünschen Josh noch einen schönen Abend und alles Gute für die Häusersuche. Er ruft uns noch ein  „Have a safe trip“ nach. Vermutlich verlässt kein Amerikaner seinen Heimatort ohne zumindest einmal einen „safe trip“ gewünscht bekommen zu haben.

Einige Tage später führt unsere Route uns wieder in die Nähe von Chicago, genauer gesagt nach Batavia, Illinois. Nachdem unser Termin dort erledigt ist, steht die Rückfahrt nach Chicago an, dieses Mal nach Down Town. Wir befinden uns westlich der Stadt und die Roosevelt Road führt direkt in das Herz der Stadt am Lake Michigan. 

Die Roosevelt Road mit Häusern im typischen Baustils des Mittleren Westens

Zunächst passieren wir die zahllosen Vororte namens Wheaton, Westchester oder Oak Brook, die genau dem Bild aus den TV-Serien entsprechen. Ein bis einhalb Stunden mit dem Vorortzug vom Zentrum entfernt, sind es die typischen Siedlungen mit Einfamilienhäusern , Vorgärten und Doppelgaragen sowie großen Shopping-Malls als Abwechslung. Dazwischen Golfplätze, Dog Parks oder einfach Brachland, wenn noch keine Baufirma das Areal erschlossen hat.

Roosevelt-Chicago
Auf beiden Straßenseiten wurde bereits saniert. Auch die Straßenbeleuchtung bekam ein Facelift.

Nach den schmucken Häusern des Mittleren Westen überfällt uns die unterschiedliche Stadtentwicklung gerade zu. Von einer Straßenecke zu anderen verändert sich das Bild rasant schnell. Häuserblocks, die von außen wenig einladend wirken, wechseln sich ab mit bereits sanierten Wohnanlagen. Dann laden moderne, saubere Wohngebäude mit Lofts und Grünanlagen zum Wohnen ein. Dazwischen sogar ein kleiner Park.

Roosevelt Road Chicago
Roosevelt Road / Ecke S. Kostner Ave
Im Vordergrund noch ein undatiertes Grundstück und auch die Straße ist noch kein Schmuckstück. Doch bald wird auch hier die Sanierung einsetzen.

Chicago schreibt Geschichte

USA Zeitgeschehen

Wie die Medien heute, unter anderem die Süddeutsche Zeitung berichten, hat die Demokratin Lori Lightfoot die Stichwahl gegen ihre ParteikolleginToni Preckwinkle gewonnen. Sie lenkt ab Mai 2019 die Geschicke der Stadt mit den meisten Morden in den USA. Was ist so bemerkenswert an dieser Wahl?

Beiden Frauen gelang es, den gläsernen Deckel zu durchbrechen und sich gegen die männlichen Mitbewerber für das Spitzenamt in den Lokalpolitik durchzusetzen. Beide Frauen sind Afroamerikanerinnen und es gibt noch einen gravierenden Unterschied: Lori Lightfoot bekennt sich offen zu ihrer Homosexualität und Lebenspartnerin.

Im ersten Wahlgang für das Amt des Bürgermeisters lieferten sich die Beiden ein hartes Kopf-an-Kopf-Rennen. Sie waren als Außenseiter unter den 14 Kandidaten gestartet und verwiesen den vermeintlichen Favoriten William Daley, früherer Stabschef von Expräsident Barack Obama, auf den dritten Platz.

Chicago gilt immer noch als gefährliche Stadt, 2018 wurde 561 Menschen in der 2,7-Millionen-Metropole ermordert. New York und Los Angeles kommen gemeinsam auf ungefähr diese Anzahl von Mordopfern pro Jahr.

Problemzonen sind die mehrheitlich von Afroamerikanern bewohnten Viertel im Westen und Süden der Stadt. Die ehemalige First Lady Michelle Obama ist ein Kind der Southside of Chicago.

Entscheidend für den Sieg der 56-jährigen Lori Lightfoot gilt ihre bisherige Arbeit in der Polizeiverwaltung und deren Reform. Seit 2015 war sie Vorsitzende des „Chicago Police Boards“ eines Gremiuns von Zivilisten das bei Diszipliarverfahren gegen Polisten eingebunden wird. Auch als Staatsanwältin hat die kämperische Lightfoot, die immer eine Stimme der afroamerikanischen Bevölkerung sein will, gegen Korruption und Politikerfilz ermittelt und sich durchgesetzt.

Mit Lori Lightfoot ist die erste afroafrikansiche Frau, die sich als homosexuell outet und sich offen zu ihrer Lebensgefährtin bekennt, Bürgermeisterin der drittgrößten Stadt der USA geworden. Sie übernimmt eine Millionenmetropole, die mit großen Problemen (Waffen, Gewalt, Korruption) kämpft und setzt ein Zeichen für die neue Stimmung im Land: Kein Vertrauen mehr in das Establishment, aber aufgeschlossen sein gegenüber Andersfarbigen und Andersdenkenden. 

Seit 1837 gab es erst eine Frau und den Afroamerikaner Harold Lee Washington auf dem Chefsessel des Bürgermeisters in Chicago. Harold Lee Washington (geb. 15.4.1922 in Chicago) war von 1983 bis zu seinem Tod am 25. November 1987 Bürgermeister. New York und Los Angeles haben bis heute noch keinen weiblichen Bürgermeister gehabt, aber 1983 wurde Tom Bradley in Los Angeles und 1989 David Dinkins in New York als Afroamerikaner in das höchste Amt der Städte gewählt.

In der weiblichen Hand von Catherine Pugh liegt seit 2016 die Stadtverwaltung von Baltimore und Keisha Lance Bottoms ist seit 2017 Bürgermeisterin von Atlanta.

Becoming von Michelle Obama

Es gibt wenige Bücher, die mich in letzter Zeit so in ihren Bann gezogen haben, wie die Autobiografie von Michelle Obama. Sie war die First Lady Amerikas von 2009 bis 2017, während der Präsidentschaft ihres Mannes, Barack Obama. Klar, ich war und bin ein Fans der Obamas und bewundere Michelle Obama seit ihrem Einzug in das Weiße Haus. Ihre ebenso stilsicheren wie souveränen Auftritte in der Öffentlichkeit oder bei Staastsbesuchen überzeugten mich jedes Mal, was für eine tolle Frau und Vorbild sie für uns alle ist. Schon im letzten Sommer verfolgte ich, wann immer ich in den USA war, die ersten Nachrichten und noch mehr Gerüchte über dieses Buch.

Während ihrer Zeit als First Lady folgte ich den Berichten und Fotos über sie und ihr Leben in der Öffentlichkeit. Umso mehr viel mir dann ihre Spontaneität und Lebhaftigkeit nach ihrem Auszug aus dem Weißen Haus auf. Wenn man nun ihre Autobiografie liest, verstärkt sich der Eindruck, dass sie im Weißen Haus quasi in einem Glashaus gelebt hat. Und sich erst jetzt wieder ausleben darf.

BECOMING von Michelle Obama

Ihre Biografie beginnt mit ihrer Kindheit und Jugend im Süden von Chicago. Mit einfühlsamen Worten schildert ihr Aufwachsen und das ihres Bruders als Afroamerikaner in den späten 1960-ziger und 1970-ziger Jahren schildert. Eine sicherliche behütete Kindheit, denn ihre Mutter blieb zu Hause und kümmerte um den Haushalt und die beiden Kinder. Erst als Michelle schon fast selbstständig war, begann ihre Mutter wieder zu arbeiten.

Zu tiefst erschreckt hat mich die damals vorherschende Rassendiskriminierung und wie fest dieses System sogar im liberalen Chicago verankert war.

Wer jemals im Winter in Chicago war, kann das Bild nachfühlen, dass Michelle Obama mit ihrer Beschreibung eines Winter am Lake Michigan zeichnet. Wenn sie beschreibt, wie sie und ihre Freundin mit dem Bus von der Euclid-Avenue über die Michigan Avenue in den Norden der Stadt zur Schule fuhren, sitzt man förmlich auf dem Nachbarsitz. Und bei der Schilderung ihrer Schwärmerei als Teenagerin für die Jeans einer amerikanischen Designerin, die als Logo einen Schwan hat, erinnere ich mich ebenfalls an meine Vorliebe für Jeans von Gloria Swanson.

Michelle Obama zeigt auf, wie wichtig Bildung, vor allem für Frauen ist. Zielgerichtet und konsequent beginnt sie bereits ab der zweiten Klasse zu lernen und schafft später den Abschluss in Princeton. Dabei vergisst sie nicht zurückzublicken, wem sie dies verdankt: Ihrer Mutter, die sich über eine lahme Lehrerin in der Grundschule beschwerte und sie schließlich in einer anderen Schule mit besserem Lehrkörper unterbrachte.

So zielgerichtet ist Weg auch ist, immer wieder hinterfragt sie sich selbst, ob dies der richtige Weg ist, den sie gehen will. Nach ihrem Abschluss in Princeton arbeitet sie in einer der erfolgreichen Anwaltskanzleien in Chicago und verlässt diese, um erst im Büro der Bürgermeisters und dann eine Sektion der „Public Allies“ in Chicago zu gründen.

“PUBLIC ALLIES WAS MY FAVORITE JOB. I MEET ALLIES AND ALUMS ALL OVER THE COUNTRY AND THEY ARE DOING AMAZING THINGS AND I KNOW THE FUTURE IS BRIGHT,” SHE TOLD THE GROUP. “IT WAS AT PUBLIC ALLIES THAT I FIRST UNDERSTOOD THAT I WOULD ALWAYS BE ‘BECOMING.‘

– Former First Lady Michelle Obama
Quelle: www.publicalles.org

Public Allies ist eine Non-Profit-Organisation, die es sich zur Aufgabe macht, junge Highschool-Absolventen unabhängig von Hautfarbe, Rasse, Geschlecht, sexueller Orientierung, Herkunft, Alter den beruflichen Weg in die Führungsetagen vorzubereiten und sie anzuleiten.

Schließlich hat Michelle Obama es selbst erlebt, wie es ist, als nicht geeignet („Material für Princeton“) bezeichnet zu werden. Doch ihr Glaube an sich selbst und die Unterstützung durch ihr liebevolles Zuhause hat die Zauderer eines Besseren belehrt. Michelle Obama lebt es uns vor: Glaubt an Euch – dann versetzt der Glaube auch Berge. Von der Southside in Chicago führte ihr Weg sie bis in das Weiße Haus nach Washington. Wir werden sehen, wo ihr Weg sie noch hinführt.

Ein Buch, das Mut macht. Mut, an sich selbst zu glauben und seinen Weg zu gehen. Ein lesenswertes Buch von einer bemerkenswerten Frau.

Die Autobiografie ist im Goldmann Verlag erschienen. Hardcover mit Schutzumschlag, 544 Seiten mit 16-seitigem Bildteil in Farbe, 26 Euro, ISBN: 978-3-442-31487-4
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„IM WEISSEN HAUS“ – die Lesung von Ben Rhodes

Im-weissne-haus-Ben-Rhodes

Am 15. Februar 2019 erscheint im Verlag C.H. Beck der Titel „Im Weißen Haus: Die Jahre mit Barack Obama„. Es ist die deutsche Übersetzung des Buches „The World As It Is“ von Ben Rhodes. In einer Lesung in München zitierte der Autor einige Kapitel aus seinem Buch über die Zeit mit dem damaligen US-Präsidenten Barack Obama.

Die Lesung wurde vom Verlag C.H. Beck in Zusammenarbeit der Stiftung Amerikahaus München und der Ludwig-Maximilians-Universität München veranstaltet. Und dank des letzt genannten Sponsors fand die Lesung in einem großen Hörsäale statt, der bis auf den letzten Platz gefüllt war.

Im weißen Haus Ben Rhodes
Ludwig-Maximillians-Universität München

Moderiert wurde die Lesung von Jounalist und Tagesschau-Moderator Ingo Zamperoni, der bis 2016 Korrespondent der ARD in Washington war. Der dreifache Familienvater ist mit einer Amerikanerin verheiratet und gilt als profunder USA-Kenner.

Ben Rhodes gehörte acht Jahre lang zum engsten Vertauenskreis von Barack Obama, Präsident der USA von 2009 bis 2017 und war dessen außenpolitischer Sprecher. 2007 kam Rhodes in das Wahlkampfteam von Obama und stieg vom Redenschreiber zum Berater in außenpolitischen Fragen und Begleiter des damaligen Präsidenten auf fast allen seinen Auslandsreisen auf.

Und gleich zu Beginn der Lesung räumte er in lockerer und charmanter Weise mit einigen Vorurteilen auf: Nein, das permanente Reisen sei nicht so erstrebenswert, wie es scheint. Zu oft habe er in diesen acht Jahren wichtige und bedeutende Momente mit seiner Familie verpasst. Auch sei die Airforce One nicht das Luxusflugzeug schlechthin. immerhin wurde sie 1987 in Betrieb gebnommen und das Innenmobiliar erinnere stark an einen Club der späten 1980ziger Jahre.

Ben Rhodes (li) und Ingo Zamperoni (re)

Mit solch launigen Interna zog Rhodes die Zuhörer schnell in seinen Bann und vollends bricht das Eis, als Rhodes seinen früheren Chef mit den Worten zititert: „Kein Mensch hat mir vor der Wahl gesagt, dass das Leben als Präsidient überhaupt nicht luxuriös ist.“ Ereignet hat sich dieses Bonmot des damals frisch gewählten Präsidenten im April 2019. Für eine Rede war Barack Obama nach Prag gereist und die US-Delegation bezog als Kommandozentrale ein kleines Zelt, das vollgestopft mit Fernsehern, Radios, und Rechnern war. Als Barack Obama seine Mitarbeiter in diesem überladenen Zelt aufsuchte, hielt er mit seiner Verwunderung nicht zurück.

Schließlich las Rhodes aus seinem Buch Auszüge aus dem Kapitel vor, das sich mit Kanzlerin Angela Merkel befasst. Bei ihrem letzten Besuch in Washington soll sich Merkel geäußert haben, für eine weitere Amtszeit anzutreten, weil sie sich dazu verpflichtet sah, um die Stabilität in Europa zu halten. Europa war in großer Aufruhr, Trump war gewählt worden und der Brexit schwelte. Am Ende dieses Treffens habe Merkel beim Abschied eine Träne im Auge gehabt, erinnert sich Rhodes. Und Barack Obama sah ihr lange nach und bemerkte „Sie ist ganz alleine“.

Rhodes las noch weitere Passagen aus seinem Buch vor, bevor Moderator Zamperoni das Mikrofon für Fragen der Zuhörer freigab. Rege hinterfragt wurde die aktuelle politische Lage in Washington, das Verhältnis zu Michelle Obama und schlußendlich auch, welche Erfolgsaussichten die Demokraten bei den nächsten Präsidentschaftswahlen in den USA haben.

Im Anschluß an die Lesung konnte das Buch mit Widmung des Autors erworben werden. Über Amazon.de können die Bücher bestellt werden:*

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Bucketlist: Da will ich 2019 nochmals hin

Bucketlist-Florida

Draußen stürmt und schneit es – der Winter hat uns hier im Süden der Nation ganz fest im Griff. Sogar Brunello will kaum noch raus. Da kommt mir eine Pressemitteilung über die vier historischen Hotels in Florida gerade recht und ich schwelge in Erinnerungen an meine Aufenthalte in diesen Häusern. Und ziehe im Geiste meine Bahnen in diesem atemberaubenden Pool im The Biltmore, während der Schneeregen an die Scheiben klatscht.

The Biltmore in Coral Gables, Miami

Es ist mein erklärtes Lieblingshotel in Miami und an der Ostküste Floridas: The Biltmore. Ich kann es immer kaum erwarten, bis ich vom Flughafen kommend, die historische Eingangshalle betrete, die vor kurzem liebevoll und aufwändig restauriert wurde.

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Endlich angekommen im The Biltmore, Coral Gables, Miami

Seit 1966 wurde das Hotel in die Liste der Kulturdenkmäler der Vereinigten Staaten aufgenommen. Zu den National Historic Landmarks gehören rund 2.500 Gebäude, Anlagen, historische Stadtkerne und andere Denkmäler, die als besonders schützenswert gelten. Kennzeichen des Luxushotels ist der 91 Meter hohe Turm mit seinen 13 Etagen. Er ist eine Kopie des Giraldaturms in Sevilla und die Everglades-Suite nimmt die beiden höchsten Stockwerke vollständig ein.

Während der Prohibition betrieb der berüchtigte Gangster Al Capone hier eine illegale Kneipe. Zeugnisse davon sind Einschusslöcher in der Wand sowie die Geheimtreppe.

Bucketlist-Florida
The Biltmore, Coral Gables, Miami

Johnny Weißmüller war hier in den 1920er-Jahren als Schwimmlehrer und Bademeister tätig. Pool und Gym (Fitness-Center) sind bei den Anwohnern in Coral Gables sehr beliebt. Viele der Nachbarn haben eine Mitgliedschaft inklusive Poolbenutzung für das Gmy, darunter auch ein ehemaliger Bürgermeister von Miami. Wer sich mit locals unterhalten möchte, ist hier richtig. Schnell kommt man ins Gespräch und wird mit Tipps überhäuft – wenn man fragt. Mehrmals in der Woche gibt es Wassergymnastik oder ein forderndes Schwimmtraining mit Paddels. Für Hotelgäste ist die Teilnahme kostenlos und man wird sofort von der sportlichen Truppe herzlich aufgenommen. Allerdings mit den Schwimm-Padels haben mich die gut trainierten älteren Damen schlichtweg abgehängt.

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Schon Esther Williams und Johnny Weißmuller haben im größten Hotelpool der USA ihre Bahnen gezogen.

Don Cesar, St. Petersburg

Schon von weitem leuchtet einem das „Knall-Rosa“ entgegen. Für Pink-Fans ein Muss, klar, dass es zu meinem Lieblingshotels zählt. Es liegt am endlos langen und strahlend weißen Sandstrand von St. Pete Beach. Dieser weiße, puderfeine Sand inspirierte Thomas Rowe, ein Amerikaner irischer Abstammung, mit einem Hotelpalast seiner verlorenen Liebe am Strand ein Denkmal zu setzen.

Er hatte zuvor in England die spanische Opernsängerin Lucinda kennengelernt und sich unsterblich verliebt. Die beiden trafen sich jede Nacht an einem Brunnen, was beider Eltern missfiel. Als die Familie der Angebeteten von dem Verhältnis erfuhr, musste sie zurück auf das Festland. Die Briefe von Thomas Rowe erreichten sie nie. Erst die letzte Nachricht von Lucinda erreichte ihn, als sie bereits im Sterben lag: „Das Leben ist unendlich. Wir treffen uns wieder am Brunnen. Aber nicht in diesem Leben.“

Rowe wurde schwer krank. Sein Arzt empfahl ihm das Klima an der Westküste Floridas, wo er schließlich das Monument seiner verlorenen Liebe errichten ließ. Obwohl drei Mal so teuer wie geplant, wurde der „Pink Palace“ ein kommerzieller und gesellschaftlicher Erfolg. Nur Rowe wurde nie wieder ganz gesund. In der Lobby des „Pink Palace“ starb er 1940 nach einer Herzattacke vor der Nachbildung des Londoner Liebesbrunnens – an gebrochenem Herzen.

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Der Pool des Loews Don Cesar Hotels in St. Pete Beach. © Bill Serne/Don Cesar St. Pete Beach

The Vinoy, St. Petersburg

Direkt an der Tampa Bay liegt das The Vinoy in St. Petersburg . Es ist ideal, wenn man das lebhafte Nachtleben von St. Petersburg genießen möchte, denn es liegt mitten drin. Auch zum berühmten Dali-Museum sind es nur ein

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Das Vinoy an der Tampa Bucht © Visit Florida

The Breakers, Palm Beach

Für mich persönlich das Hotel, in dem ich bisher am wenigsten war. Es liegt einfach zu nahe an meinem Lieblingshotel The Biltmore. Während das The Biltmore mitten im Gartenstädtchen Coral Gable ein Hort der absoluten Ruhe und Erholung ist, erlebt am in The Breakers das volle Miami-Vice-Feeling. Das Hotel liegt direkt am Strand der Atlantikküste, die oft so unrealistisch türkis schillert wie in der bekannten TV-Serie. Wer Beachlife bevorzugt, ist hier richtig.

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The Breakers in Palm Beach, nördlich von Miami. © The Breakers Palm Beach

Fast perfekte Heldinnen von Adèle Bréau

Ein Buch, das in Paris spielt ist an sich schon lesenswert. Wer träumt nicht davon, in der Hauptstadt der Mode und der Liebe zu leben? Doch ist das Leben dort wirklich so angenehm und einfach wie es uns auf den ersten Blick erscheint? 

 

Inhalt: Die vier Freundinnen Alice, Éva,Lucie und Mathilde kennen sich bereits aus der Schulzeit und gehen gemeinsam durch Dick und Dünn im Pariser Alltagsleben. Lucie leidet unter der Vernachlässigung durch ihren erfolgreichen Ehemann und findet trotz ihrer drei Kinder keinen Trost. Éva, die ihre biologische Uhr ticken hört, hat einen starken Kinderwunsch, den ihr Partner aber nicht so richtig erkennt. Alice hat gerade ihre Scheidung hinter sich und steht vor jeder Menge Problemen mit ihrer Tochter im Teenageralter. Mathilde geht auf zwischen ihrem Ehemann und den beiden Söhnen. Doch reicht ihr das?

Meine Meinung: Ein Buch, das in Paris spielt ist an sich schon lesenswert. Wer träumt nicht davon, in der Hauptstadt der Mode und der Liebe zu leben? Doch ist das Leben dort wirklich so angenehm und einfach wie es uns auf den ersten Blick erscheint? Die Jounalistin Adèle Bréau nimmt uns mit durch ein Jahr im Leben der vier Frauen, die unterschiedlicher nicht sein können. Locker geschrieben und angenehm zu lesen werden die vier Charaktere dargestellt und sind so realistisch, dass sich jede Frau im Alter über 40 plus dort wieder findet.

Mein Fazit: Ein lesenswertes Buch, dass sich mit jedem Kapitel weiter entwicklelt. Frauenlektüre mit Niveau.

 

Und hier der Bestelllink zu Amazon.de

 

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